Georgikon Gutshofmuseum in Keszthely


Wie mag das Leben auf einem echten Gutshof vor mehr als zweihundert Jahren ausgesehen haben? Im Georgikon Gutshofmuseum in Keszthely begegnet dir die Geschichte der Landwirtschaft nicht nur hinter Museumsvitrinen: Historische Wirtschaftsgebäude, beeindruckende alte Landmaschinen, Gärten, Weinreben, Obstbäume und Nutztiere lassen die Welt eines einstigen Gutshofes wieder lebendig werden. Das mehr als zwei Hektar große historische Gelände liegt in der Nähe des Festetics-Schlosses und ist auch für Familien mit Kindern ein abwechslungsreiches Ausflugsziel.

Georgikon Gutshofmuseum in Keszthely

Hier begann die Geschichte der höheren landwirtschaftlichen Ausbildung in Ungarn

György Festetics gründete 1797 in Keszthely das Georgikon, Europas erste eigenständige Hochschule für Landwirtschaft.

Dabei ging es keineswegs nur um theoretischen Unterricht. Auf dem neben der Schule eingerichteten Lehrgut konnten die Studenten moderne landwirtschaftliche Methoden auch in der Praxis kennenlernen und anwenden.

Der Georgikon-Gutshof wurde bis 1848 als eigenständiger Lehrbetrieb geführt. Hier experimentierte man mit neuen Pflanzensorten, Maschinen, Anbaumethoden und Technologien und dokumentierte die gewonnenen Erfahrungen sorgfältig.

Heute befindet sich in den Gebäuden des ehemaligen Lehrgutes das Georgikon Gutshofmuseum des Ungarischen Landwirtschaftsmuseums und der Bibliothek.

Kein gewöhnliches Landwirtschaftsmuseum

Einer der größten Vorzüge des Georgikons ist, dass der historische Ort selbst ein Teil der Geschichte ist.

In den ehemaligen Wirtschaftsgebäuden erzählen verschiedene Ausstellungen von der Entwicklung der Landwirtschaft, der Funktionsweise der Festetics-Güter und vom Alltag der Menschen, die hier arbeiteten.

Im vierstöckigen barocken Getreidespeicher erfährst du unter anderem mehr über die Weinbau- und Weinkultur des Balaton-Oberlandes, die Geschichte der landwirtschaftlichen Fachausbildung, das Leben der Landarbeiter im 19. Jahrhundert sowie die Verarbeitung und Lagerung von Getreide.

In den ehemaligen Stallungen erwarten dich Ausstellungen über Pflanzenbau und Tierhaltung sowie historische landwirtschaftliche Geräte und Maschinen.

Die Georgikon Landwirtschaftsschule 1797–1848

Eine der neuesten Dauerausstellungen des Museums wurde 2025 eröffnet und widmet sich der Geschichte des Georgikons selbst.

Die Ausstellung zeigt, wie die außergewöhnliche Schule von György Festetics funktionierte, wer hier lehrte und studierte, welche Bedeutung die praktische Ausbildung hatte und wie Keszthely zu einem der wichtigsten Zentren landwirtschaftlichen Wissens in Ungarn wurde.

Wenn du im Festetics-Schloss bereits das aristokratische Leben der Familie kennengelernt hast, entdeckst du hier eine völlig andere Seite ihrer Geschichte: das Wissen, die Landwirtschaft und den Innovationsgeist, die hinter dem erfolgreichen Betrieb der Festetics-Güter standen.

Riesige Maschinen und echte Raritäten

Im Georgikon kannst du einige historische Landmaschinen entdecken, die allein schon einen Besuch wert sind.

Eine besondere Rarität ist der Fowler-Dampfpflug. Bei diesem System wurde der Pflug mithilfe von zwei riesigen Dampfmaschinen zwischen den gegenüberliegenden Seiten eines Feldes hin- und hergezogen.

Ein weiteres außergewöhnliches Stück der Sammlung ist ein 1924 gebauter Rohöltraktor, der bis heute funktionsfähig ist.

Bei ausgewählten Veranstaltungen des Museums werden einige der historischen Maschinen sogar in Betrieb vorgeführt.

Erlebnisbauernhof – hier gibt es mehr als nur Ausstellungen

Hinter dem Museum befindet sich der 1,2 Hektar große Erlebnisbauernhof, auf dem die Atmosphäre des historischen Gutshofes besonders anschaulich wird.

Du kannst durch Obstgärten, Weinreben, Kräuter- und Heilpflanzengärten sowie zwischen Gemüse- und Feldkulturen spazieren und dabei entdecken, wie eng Pflanzenbau und Tierhaltung früher miteinander verbunden waren.

Auch Tiere gehören dazu

Auf dem Erlebnisbauernhof leben auch verschiedene Nutz- und Haustiere, weshalb sich ein Besuch besonders für Familien mit Kindern lohnt.

Der Wirtschaftshof, die Stallungen und Tiergehege machen auch für jüngere Besucher verständlich, wie ein Gutshof früher funktionierte.

Neben den Tieren sorgen traditionelle Spiele und Spielmöglichkeiten dafür, dass aus dem Museumsbesuch schnell auch ein kleines Erlebnis unter freiem Himmel wird.

Probiere aus, womit Kinder früher spielten!

Im Georgikon können Kinder entdecken, dass man sich auch lange vor Spielekonsolen und Smartphones bestens beschäftigen konnte.

Traditionelle Holzspiele und die Spielscheune lassen die Welt der Dorfkinder vergangener Zeiten wieder lebendig werden.

Und es kann durchaus passieren, dass am Ende die Erwachsenen die Stelzen oder eines der alten Geschicklichkeitsspiele gar nicht mehr an die Kinder abgeben möchten.

Bei Veranstaltungen erwacht der Gutshof richtig zum Leben

Das Georgikon ist das ganze Jahr über Schauplatz verschiedener Brauchtums-, Familien- und Handwerksprogramme.

Besonders interessant sind Veranstaltungen, bei denen historische Landmaschinen in Betrieb genommen oder traditionelle landwirtschaftliche Tätigkeiten vorgeführt werden.

Deshalb lohnt es sich, vor deinem Besuch immer einen Blick in den aktuellen Veranstaltungskalender zu werfen.

Auch mit dem Fahrrad ein schönes Ziel

Das Georgikon ist vom Zentrum von Keszthely und vom Festetics-Schloss aus bequem erreichbar.

Auch mit dem Fahrrad ist es ein gutes Ausflugsziel: Du erreichst es sowohl vom Balaton-Radweg und vom Radweg Keszthely–Hévíz als auch aus Richtung Kis-Balaton. Am Eingang steht ein überdachter Fahrradabstellplatz zur Verfügung.

Für Besucher, die mit dem Auto kommen, gibt es Parkmöglichkeiten auf dem Museumsgelände.

Wie viel Zeit solltest du einplanen?

Wenn du dich hauptsächlich für die Ausstellungen interessierst, kannst du den Gutshof innerhalb einiger Stunden erkunden.

Mit Kindern solltest du deinen Besuch jedoch nicht zu knapp planen. Erlebnisbauernhof, Tiere, Gärten und Spiele sorgen schnell dafür, dass ihr länger bleibt als ursprünglich gedacht.

Bon Villa Tipp: Versuche nicht unbedingt, das Festetics-Schloss und das Georgikon in denselben Vormittag zu packen. Wenn du mit Kindern unterwegs bist, solltest du für das Georgikon mindestens einen halben Tag einplanen. Entdeckt zunächst gemeinsam die historischen Wirtschaftsgebäude und Maschinen und geht anschließend zum Erlebnisbauernhof mit seinen Tieren, Gärten und Spielen. Wenn du das gesamte Festetics-Erbe kennenlernen möchtest, ist das Georgikon nach dem Schloss einer der besten Orte, um zu verstehen, wie ein riesiger aristokratischer Landbesitz wirtschaftlich funktionierte.

Historische Maschinen, Tiere, Gärten und mehr als zweihundert Jahre Landwirtschaftsgeschichte – im Georgikon entdeckst du eine ganz andere, lebendigere Seite des Festetics-Erbes.



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